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DAS GESETZ DES LOSLASSENS


WIE MAN MIT TRAUER UND VERLUST UMGEHEN KANN


„Es gibt kein Kommen ohne ein Gehen, keine Freude ohne ein Leid.“

Die Vergänglichkeit ist ein Teil unseres Lebens. Dieser Aussage stimmen wir gedanklich sofort zu. Trotzdem ist sie in der Lage uns aus dem Rhythmus zu bringen, den wir uns in unserem Leben eingerichtet haben. Sie überrascht uns wieder und wieder, weckt uns aus dem Schlaf der weltlichen „Träume“ und versetzt uns in die Gegenwart, wenn wir sie bewusst erfahren müssen.

Das Erkennen um das Vergängliche von Jedem und Jeglichem kann ausgelöst werden etwa durch den Verlust eines nahe stehenden Menschen, durch die Veränderungen unseres Körpers, durch einen geplatzten Traum. Wie schnell sind wir dann mit der Vergänglichkeit im Einverständnis? Für dies alles gibt es eine große Überschrift: Alles was hier auf der Welt erscheint, ist nur bedingt und unterliegt einem ständigen Wandel.

Situationen und Menschen ändern sich, auch wenn wir sie manchmal nach unserer Vorstellung anders haben wollen. Es gibt kein Kommen ohne ein Gehen, keine Freude ohne ein Leid. Nur wollen wir es nicht wahrhaben. Was wir betrauern, ist der Verlust dessen, was wir gerne haben möchten. Wir erleben in der Phase der Trauer das „Bewusstwerden“ des Vergangenen, erinnern uns an das Schöne, das wir vielleicht in der Vergangenheit nicht gesehen haben.

Die Trauer ist nicht nur ein Schmerz, sondern ein präsentes und intensives Erleben des Verlustes eines Teils unseres Lebens, eines Menschen, einer Vorstellung oder einer Illusion. Die Bedingtheit aller Erscheinungen tritt in den Vordergrund. Die Bedingungen ändern sich - ständig.
Wenn die Trauer nicht so stark wird, dass eine Art Resignation eintritt, dann ist sie eine Phase, in der sich Veränderungen in unserem Bewusstsein vollziehen können. Sie lässt uns erkennen, auf was wir gebaut haben, mit der unverhüllten schmerzlichen Erfahrung, loszulassen und einen Neuanfang starten zu müssen.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt sich ganz neu.
Wenn die Zeit des Hinterfragens und der schmerzlichen Gegenwart nachlässt, dann eröffnet sich oft durch ein neues Bewusstsein eine neue Ausrichtung. Neue Ziele können sich ergeben. Vor allem dort erkennbar, wenn schwere Verluste Menschen in eine komplette Veränderung der Lebensausrichtung führen.

Insofern ist die Erfahrung der Vergänglichkeit gleichzeitig eine Chance das Leben neu zu ordnen, neu zu füllen. Das Loslassen geschieht nicht nur im Verstand, sondern auch im Erleben. Wenn wir trauern, dann ist es genau genommen nicht nur der Mensch, den wir verloren haben, sondern vor allem die eigene schmerzhafte Erfahrung des Loslassens, der wir unterworfen werden, dem Endlichen.

Alle Analyse führt zu keinem Ergebnis mehr, es gibt nur noch das Gefühl. Da hilft keine Ablehnen dessen, was geschehen ist, sondern nur noch Annahme. Die W-Fragen werden zu einem hilflosen Versuch und finden meist keine zufrieden stellende Antwort. Diese Ohnmacht führt uns in die Gewissheit, dass Kontrolle und Festhalten zu keinem Ergebnis führen.
Auf dieser Ohnmacht kann aber auch ein Glaube an ein „Mehr“ entstehen, als dass es nur das gibt, was wir sehen oder glauben zu wissen. Sie ist die Chance auf die Entstehung eines tiefen Vertrauens, eine Veränderung und Erweiterung unserer bis dahin eingeschränkten Sicht. Einer Gewissheit, dass vielleicht doch ein tieferer Sinn hinter allem steht, ein rational nicht erklärbarer.

Und sie führt uns wieder näher zu uns selbst, zu unserer inneren Mitte und zu einer tieferen Verbindung unter uns Menschen. Sie nimmt uns etwas auf der einen Ebene, um uns gleichzeitig auf der anderen zu geben, führt uns zu neuen Wegen, zu einem neuen Leben. Sie lässt uns Demut üben - mit uns selbst und anderen -, Dankbarkeit für das Erlebte entstehen und nimmt uns auch manchen Druck oder manche Illusion.

Dies alles sind Samen, die in einer Trauer schlummern und die zum Vorschein kommen können, wenn es uns gelingt, die Verfänglichkeit der Trauer aufzugeben und der Vergänglichkeit zuzustimmen … Wir können 10, 50 oder vielleicht 100 Jahre werden, doch die Gewissheit des Kommens und Gehens ist unumgänglich.

Nach der Auffassung vieler Religionen ist auch ein gewisses Maß an leidvoller Erfahrung notwendig, um Erkenntnisse zu gewinnen, zu welchen der Mensch nicht alleine gekommen wäre. Vielleicht tun wir dann das, was wir schon lange einmal tun wollten? Das ganze „Machen“ der westlichen Welt, die ganze Kontrolle, die der Mensch glaubt zu haben, verliert an Bedeutung, wenn die Phase des Loslassens eintritt. Und dann erkennen wir, dass zuviel Kontrolle, zuviel Fest-Halten nur zu einem führen kann: Zur Unterbrechung des Lebensflusses und zur Entstehung von m e h r Leid.

Wenn wir alles hergeben könnten: Unser Besitz, Ansprüche auf Menschen, unsere Meinungen, unser Recht, unsere äußeren Umstände, was wäre dann …? Wie viel haben wir wirklich zu verlieren? Ist das ganze Leben nicht nur eine Schule des Machens sondern auch des Lassens? Vielleicht verbirgt sich genau hinter dem das Gefühl der Freiheit, der Liebe und des Vertrauens?

Gerhard Schmid

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