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DIE RUHE - Der Helfer auf dem Weg zum Sein

Wer kennt es nicht? Irgendein Ereignis, mit dem wir nicht gerechnet haben. Sei es positiv oder negativ. Wir fühlen uns aus unserem gewohnten Ablauf herausgerissen und werden vor eine neue Situation gestellt, mit der wir uns dann auseinandersetzen müssen. Ich habe mir z.B. vor kurzem beim Sturz auf einer Treppe eine größere Kopflatzwunde zugezogen. Jetzt könnte man schlicht sagen, das war Pech oder Zufall. Man könnte sich aber auch Gedanken darüber machen, was zu dem Ereignis geführt hat. Was könnte es bedeuten? Ohne jetzt den Anspruch zu haben, gleich eine Antwort zu bekommen.

Die erste Erkenntnis war, dass alles, was bis zu diesem Moment für mich bedeutend war, seine Bedeutung verloren hat. Eine Unachtsamkeit, die Folgen hatte. Wo waren die Gedanken? Bestimmt nicht beim Treppenlaufen, sondern irgendwo anders. Der Moment hat mich zurückgeholt.

Das Bewusstsein, dass sich in einem einzigen Moment alles ändern kann, tritt in den Vordergrund. Wie anfällig wir Menschen und der Körper doch sind. Wie schnell doch auch das Leben vorbei sein könnte. Vielleicht machen wir uns da zu wenige Gedanken darüber. Und vor allem – was wird nach einem solchen Moment wirklich wichtig und wem messen wir selbst zu viel Bedeutung hinzu? Wir allein bemessen etwas Bedeutung zu. Das kann sich schnell ändern.

In diesem Moment war ich froh, dass sofort Hilfe zur Stelle war. Dankbarkeit für die Hilfe und die Medizin, die hier weite Fortschritte gemacht hat. Alles was so im Alltag selbstverständlich ist, wird bewusster und wird mit Dankbarkeit gefüllt. Natürlich gehen nicht alle Ereignisse glimpflich aus. Aber was sich einstellt ist ein Innehalten, das einem in dem Moment auferlegt wird. Wem ist das noch nicht widerfahren?

“WIE SCHÖN IST ES, EINFACH MAL NUR ZU SEIN – UND SELBST DAS FÄLLT UNS SCHWER”

In der Ruhe liegt die Kraft

Es gibt etwas, das wir vielleicht „Seele“ nennen können, das uns etwas zeigen will, das uns die Chance gibt, nachzudenken und uns hilft innezuhalten. Wenn wir vertrauen können mögen wir es auch „Führung“ nennen. Vielleicht liegt ein Sinn hinter dem Ganzen was uns widerfährt.

Einmal loszulassen und in uns hinein zu horchen. Wer nimmt sich heute bewusst dafür Zeit? Den größten Anteil der Zeit die wir haben verwenden wir für Projekte, Veranstaltungen, Termine, seien es berufliche oder private, schöne oder weniger schöne. Oft fühlen wir uns unter Druck. Wir haben schon einen Terminplan in der Zukunft, vor allem im Kopf. Doch der Moment hat kaum einen Raum mehr.

In der Ruhe liegt die Kraft. Wie wahr sind diese Worte und wie weit sind sie manchmal weg. Wie schön ist es einfach mal nur zu sein, und selbst das fällt uns schwer, da der Moment ja nur dann gut erscheint, wenn er mit irgendetwas angefüllt wird. Dass wir nicht alles planen können, fällt uns manchmal schwer anzuerkennen. Wann nehmen wir uns Zeit für die Ruhe, in der wir mehr und mehr zur Besinnung kommen? Haben wir uns täglich eine Zeit eingerichtet für diese Stunde oder diese Minuten?

Wir lesen heute so vieles über Loslassen, Stille, Bewusstsein oder Achtsamkeit. Und wir sehnen uns danach, vielleicht ohne es zu wissen. Doch unser Geist ist konditioniert und macht es sich zur Gewohnheit sich ständig zu beschäftigen. Die Hauptbeschäftigung sind die Gedanken. Und diese machen uns ständig Angebote im Kopf. Und was wir meist nicht bemerken ist die Tatsache, dass wir diese gerne annehmen und Geschichten daraus basteln. Wir sind kreativ ohne es zu bemerken. Ängste, Sorgen, Wünsche, Sehnsüchte – alles im Angebot – auch die Medien tragen vieles dazu bei. Welche Qualität haben die Geschichten und was machen sie mit unserem Gemüt?

Können wir es lernen all dies zu beobachten und können wir uns entscheiden diesen Vorgang auch zu unterbrechen? Ja, das können wir. Nur bedarf es einer gewissen Übung, die wir möglichst täglich aufgreifen sollten. Dadurch entwickelt sich nach und nach mehr Bewusstsein über das, wie oder was wir denken, sagen oder tun. Indem wir zum Beobachter werden, können wir uns auch mehr und mehr unterscheiden. Der Beobachter impliziert gleichzeitig eine Position, die einen Abstand hält und daher von einer gewissen Ruhe begleitet wird.

Die Gedanken auf den Atem lenken

Vielleicht entscheiden wir uns weniger zu konsumieren, zu bewerten oder zu analysieren, sondern einfach nur den Atem zu beobachten. Dann Erleben wir mehr und mehr, dass wir die Ruhe nicht machen können, sondern sie uns als Gast immer wieder besucht. Die bewusste Erfahrung des Moments birgt eine Chance in sich, zu einer anderen Ebene vorzudringen. Sie fordert und lehrt uns alles was sich zeigt anzunehmen, ohne etwas abzulehnen oder festhalten zu wollen, ja nach Qualität der aktuellen Befindlichkeit. Wir könnten uns die Gedanken wie Wolken vorstellen, die vorüberziehen und sich ständig verändern. Im Gegenzug schenken wir etwas „Einfachem“ die Aufmerksamkeit ( dem Atem ) und entziehen sie somit den Gedanken gleichzeitig. Wir können uns selbst vergessen und fühlen uns freier. Mal nicht zu „machen“ haben wir meist nicht gelernt. Auch im Alltag können wir uns für wenige Minuten immer wieder bewusst dafür entscheiden.

Das klingt so banal, doch die Aufmerksamkeit auf den Atem aufrecht zu erhalten ist nicht leicht. Hier lernen wir gleichzeitig auch geduldig und nachsichtig mit uns selbst zu sein.

Und was sich dann vielleicht als Erfahrung einstellt, ist die Tatsache, dass sich nach und nach etwas zeigt, das wir als „Fülle“ beschreiben könnten – entgegen dem Glauben, dass wir aktiv sein müssten um sie zu erleben. Karlfried Graf Dürckheim, ein sehr bekannter bereits verstorbener Psychoanalytiker, hat diese einmal in einem Vortrag mit folgenden Worten beschrieben:“ Wir lassen uns vom Wesen des Seins ergreifen“. Jeder von uns wird dieses Sein schon einmal erlebt haben, in unterschiedlichen Formen, nur haben wir es vielleicht so bewusst auch gar nicht wahrgenommen.

Haben wir den Mut uns immer wieder aus dem Alltag zu entziehen, verlockenden Angeboten den Rücken zuzuwenden und wach zu bleiben nur für den Augenblick? Die Erfahrung angekommen zu sein wird uns die Ruhe schenken.

Text: Gerhard Schmid

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