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Ein Neubeginn - Zum weniger



Die Situation:

Haben wir Menschen nicht gerade das Gefühl, alles intensiver zu erleben je älter wir werden? Und hinterfragen wir unser Tun nicht immer mehr auf Sinnhaftigkeit und ob dieses wirklich dem entspricht, was unser tiefes Inneres möchte? Ab und zu erkennen wir Fehlhaltungen und Wege, die uns nicht wirklich Erfüllung versprechen. Schon vor hunderten von Jahren bis heute beschäftigt es Philosophen, wo es denn nun wirklich eine allgemein gültige Theorie gibt, die die Lösung des Sinns unseres Seins auf das Tablett bringt.
Die einzige Erkenntnis ist die, dass jede Theorie ihre Begrenzung hat.
Selbst im psychosomatischen Bereich kam man zu der Erkenntnis, dass je öfter und intensiver wir uns mit unserer Vergangenheit beschäftigen und dies ständig wiederholen, wir nicht wirklich vom Fleck kommen und nicht „heiler“ werden.
Doch der Mensch ist clever und bedient sich mit Hilfsmitteln: Hat er was erkannt, was er ändern möchte, dann nimmt er Neujahr zum Anlass dies zu tun. Unvorteilhaft ist es, wenn die Erkenntnis genau am 3.Januar kommt – sollten wir dann warten mit dem Beginn bis zum nächsten Jahr? Die Gelegenheit bietet sich immer…

Beschleunigung

Zu dem ganzen Hinterfragen kommt ein Faktor noch erschwerend hinzu. Die Zunahme der Geschwindigkeit im Tagesablauf. Das haben wir uns auch schon zueigen gemacht. In Japan wurde in einer Studie gemessen, dass sich die Schrittgeschwindigkeit der Menschen auf den Straßen in den letzten 10 Jahren um 30% gesteigert hat. Rote Ampeln, verstopfte Strassen, Ungeduld, Termindruck – alles Begriffe, die die heutige Situation in der Gesellschaft beschreiben.
Prozessbeschleunigung- ein beliebtes Wort in unserer Wirtschaft. Wachstum ohne Grenzen..
Die Folge sind verstopfte Gehirne, kein klares Denken, Burn-out, Bluthochdruck und sonst noch einiges.
Das Resultat: Das Rad dreht sich weiter, wir (ver)suchen weiter, das Leben wird uns schon lehren.


Ein Zwischenschritt:

Der erste Schritt ist STOPP. Was denken Sie, ist dem Menschen näher? Sich dem Ablauf und den Eindrücken weiter zu unterwerfen, oder den Schritt zum mutigen „Stopp“ und dem „Nein“ zu wagen? Warum suchen wir immer mehr nach Methoden der Entspannung, Auszeiten, die uns die innere Ruhe und Klarheit vermitteln sollen? Vielleicht sollten wir in unserem Leben etwas verändern?
Zumeist leben wir in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Ein Beweis dafür ist die rote Ampel. Grundsätzlich erweckt die rote Ampel beim Fahrer keine positiven Gefühle. Wer lässt sich schon gerne ausbremsen? Außer, dass sie bei Überfahren dem staatlichen Fotostudio Verkehrssündereinnahmen beschert, hat sie doch einen weiteren positiven Aspekt:
Die Rote Ampel gibt uns die Chance innezuhalten. Warum nicht? Wieso müssen wir ständig eilig ein Ziel erreichen? Sie ermöglicht uns bewusst zu atmen, Geduld zu üben, einen Stopp zu erleben, und vielleicht können wir sie dann als Freund erkennen, der uns einen Neustart ermöglicht? Dies wäre ein sehr schöner und wichtiger Schritt zum einem neuen Bewusstsein. Die Natur lebt uns es doch vor. Sie setzt keine Termine, hat es nicht eilig, sie überlässt sich dem Geschehen, ihrem eigenen Rhythmus. Sie weiß, wann es Zeit für die Nacht ist, begibt sich zur Ruhe und jeder Neubeginn eines Morgens wird von Vogelstimmen begleitet. Hören Sie diese jeden Morgen bewusst? Der Tag erwacht und ermöglicht uns einen Neubeginn.
Der Tag davor ist vorbei und ist nicht mehr zu ändern. Auch wir können die Chance aufgreifen, wie ein Kind das geboren wird und sich allem Neuen ohne Bedingungen hingibt, frei von Erfahrungen, die uns beeinflussen wollen…



Die praktische Lösung : Ein Neubeginn zum „Weniger“


„Weniger ist mehr“ - Wer kennt diesen Spruch eigentlich nicht? Sie doch auch? Oder Bücher, die das „Hier und Jetzt“ beschreiben? Gelesen - aber haben sie es auch schon einmal gefühlt erlebt?
Wenn wir uns es erlauben, täglich diesen Stopp einzubauen, uns daran erinnern und bewusst tiefes Atmen üben, dann wird viel Unnötiges, was uns beschäftigt und begleitet hat, auf Dauer an Einfluss verlieren. Die Rastlosigkeit nimmt ab, die Dramatik der Eile relativiert sich. Wir werden immer wacher und bewusster, da wir einen Prozess der Klärung begonnen haben. Wir erkennen unsere Freuden, Sorgen, Ängste und Talente. Vor allem gilt es, die weniger erfreulichen aktiven Themen nicht abzulehnen, sondern anzunehmen. Daraus entsteht schon eine gewisse Erleichterung. In gewissem Maße benötigen wir leidvolle Erfahrungen, um Änderungen vorzunehmen, aber nicht um Sie zu vergrößern durch Selbstbewertungen, Urteile, Vorurteile oder auch Ablehnung. Diese sind nur Hindernisse und tragen Aspekte des Festhaltens in sich.

Innehalten

Der vietnamesische Mönch und Zen-Meister Thich Nhat Hanh lehrt uns, wie wir die täglichen Abläufe, wie z.B. das Gehen, Kartoffel schälen usw. mit Achtsamkeit, Mitgefühl und Liebe ausstatten, so dass immer mehr innerer Frieden entsteht – wie Glück und Erfüllung doch mit Einfachheit zusammenhängen können. In seinem Dorf „Plum Village“ in Südfrankreich versammeln sich Menschen aus aller Welt, die mehr oder weniger leidvolle Erfahrungen gemacht haben. Er berichtet, dass wir im Westen sehr zielorientiert sind. Dazu sein Zitat:
„Das mag nützlich sein, doch unterwegs vergessen wir oft genug, dass es auch Spaß machen könnte. Oft sagen wir uns: Sitz nicht so rum mach doch was. Wenn wir Bewusstheit üben, entdecken wir jedoch etwas Außergewöhnliches. Wir merken, dass uns das Gegenteil vielleicht eher hilft: Mach nicht so rum, setz dich nieder!“ Und wenn wir das üben, können wir auch einen Widerstand erkennen, der sich in Form des inneren Antreibers zeigen mag.
Durch das tägliche bewusste Üben gewinnen die Menschen wieder mehr und mehr Freude und Zufriedenheit in sich selbst. Und dies durch Entschleunigung, Achtsamkeit und Mitgefühl. Jeden Tag von Neuem, wie es das erste Mal wäre.

Den Anfängergeist bewahren

Wenn wir selbst uns jeden Tag an diesen Neubeginn erinnern ( sie können ja einen Gegenstand als Erinnerung bei sich tragen ), bewusst tief atmen, lässt unser Beschäftigt-Sein mehr und mehr nach, im Äußeren aber auch vor allem in den Gedanken.
Wie fühlt sich der Gedanke an, morgens aufzustehen und sich vorzustellen, wir sind jetzt zum ersten mal auf der Welt, ohne zu wissen wer wir gestern waren, ohne die Identifikation
mit unserem Beruf, mit unserer Familienrolle, mit dem Gefühl von neuer Erfahrung, Interesse
und Offenheit. Der automatisierte Ablauf darf mal Pause machen. Es genügt ein kleiner Schritt in eine andere Richtung.
Was sich daraus entwickeln kann, wird dann auch überraschend sein. Wichtig ist es nur, nicht erfolgsorientiert zu handeln, sondern präsent zu bleiben mit allem was sich zeigt. Mit Bewusstheit und Regelmäßigkeit. Das wichtigste dabei ist die Praxis der Achtsamkeit, und wenn es nur wenige Minuten am Anfang sind. Das Lesen allein genügt nicht, um eine Veränderung zu erfahren.
In diesem Sinne: Lassen Sie das Vergangene hinter sich und vielleicht tun wir es wie die Schlangen – Sie stehen für Schlauheit, Weisheit und vor allem streifen sie immer wieder ihre alte Haut ab. Unsere körperlichen Zellen erneuern sich ständig, warum also nicht auch unser Wesen? Eine Veränderung ist immer möglich.

Gerhard Schmid

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