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Freundschaft - Das Tor zur Seele

FREUNDSCHAFT – DAS TOR ZUR SEELE

IM FREUND NEHME ICH MICH SELBST WAHR

 

Im Altgriechischen bedeutet das Wort „philia“ sowohl Freundschaft als auch Liebe und kann folglich auch in diesem weiteren Sinn benutzt werden.

Die Vorsokratiker deuten „philia“ als kosmologisches Prinzip.
So verwandelt sich Zeus als Demiurg (Schöpfer) in Eros, als er den Kosmos aus Gegensätzen zu einem geordneten Ganzen machte, diesen in den Zustand der Versöhnung und Freundschaft versetzte und damit allen Dingen ihre Bestimmung und den Ort ihres Wirkens im Großen Ganzen gab.

Ort der Freundschaft ist die Polis, wie das Feld der möglichen Freundschaften zeigt: Kameradschaft, Jungendfreundschaft, persönliche Vertrautheit, Reisebekanntschaft, Gastfreundschaft (philoxenia), Vereinsleben und die politische Freundschaft.
Philia war im alten Griechenland so wichtig, dass Sokrates sie als die wichtigste Errungenschaft betrachtete.
Über die Freundschaft öffnet sich das Tor zur Seele, Freundschaft ist innere Freiheit und Freiheit ist Gesundheit. Philia ist eine soziale Tugend, Liebe ist eine Leidenschaft und Freundschaft ist nicht zuletzt eine charakterliche Grundhaltung.

Grundlage der Gemeinschaft

Den Freund wahrnehmen, heißt sich wahrnehmen. Es ist der Spiegel der Selbsterkenntnis und damit der Weg zur Stärkung der eigenen Autarkie (Selbstgenügsamkeit).
Diese ist aber nicht autonom, sondern bedarf zu ihrer Wahrnehmung und zu ihrer Bestätigung des Freundes, der dann gleichsam das zweite Ich darstellt.
Die Freundschaft wird somit als Quelle des Zusammenhalts der Polis (Stadtsaat im alten Griechenland) angesehen.

Sie garantiert die politische Stabilität, da sie sich auf Basis der Eintracht in der menschlichen Gemeinschaft entfaltet.
Von daher ist es auch verständlich, dass Aristoteles jeder politischen Gemeinschaft eine entsprechende Freundschaft der selben Art zuordnen und die verschiedenen Freundschaften einzelner Individuen mit den Verfassungsformen vergleichen konnte. Damit meint er, dass der Mensch sich nur in einer politisch strukturierten Gemeinschaft verwirklichen kann und somit ein politisches Wesen ist.

 

„Freundschaft bedeutet einen hohen Grad an Harmonie - vielleicht sogar noch mehr als die Ehe,

denn diese kann auch bestehen,

wenn die Harmonie fehlt.“

 

Gegenseitigkeit der Gefühle

Freundschaft setzt vor allem Gegenseitigkeit in den Gefühlen und Urteilen übereinander voraus. Philia bedeutet einen hohen Grad an Harmonie - vielleicht sogar noch mehr als die Ehe, denn diese kann auch bestehen, wenn die Harmonie fehlt oder nur in einem sehr bescheidenen Maß vorhanden ist.
Fehlt die Harmonie, der Gleichklang der Seelen, zwischen Freunden, so besteht eben auch keine Freundschaft oder sie existiert nicht mehr.

Menschen, die die Fähigkeit besitzen ein Freund zu sein, gibt es nur sehr wenige, denn Freundschaft erfordert den Einsatz der ganzen Persönlichkeit ohne egoistische Hintergründe.
Unter Freunden darf es keine Überlegenheit des einen gegenüber dem anderen geben, ebenso wenig darf es einen Zwang oder die Lüge geben.
Nur zwischen guten Menschen

Freundschaft im wahrsten Sinn des Wortes kann es nur zwischen guten Menschen geben. Sie setzt also eine hohe geistige Reife und eine seelische Entwicklung hin zur reinen Harmonie voraus.

Darüber hinaus ist wahre Freundschaft nichts worüber man viele Worte verlieren muss. Sie ruht im tiefsten Inneren und ist für die materielle Umgebung tabu.
Wahre Philia zeichnet sich durch Geistigkeit, die Übereinstimmung der Seelen und den Charakter aus. Sie steht weit über der flüchtigen Leidenschaft der Liebe.

Freunde werden zu den Gütern des Glücks gezählt.
In der Romantik tritt der Begriff der Liebe gegenüber dem der Freundschaft wieder stärker in den Vordergrund. Freundschaft und Liebe werden allerdings nicht immer deutlich voneinander getrennt. Freundschaft ist partielle Ehe und Liebe ist Freundschaft von allen Seiten und nach allen Seiten, also universelle Freundschaft.

 

„Darüber hinaus ist wahre Freundschaft nichts worüber man viele Worte verlieren muss.

Sie ruht im tiefsten Inneren und ist für die materielle Umgebung tabu.“

 

Freiheit des Menschen

Die Freundschaft sollte zum Sittengesetz werden, durch das allein sich die Freiheit der Menschen bestimmt.
Hegel betont das Momentum der Freiheit in der Freundschaft und zählt sie zu den Empfindungen (wie die Liebe).

Hier einige klassische Werke zum Thema Freundschaft und Freundschaftsbeweis:
Die Geschichte von Achilles und Patroklos.
Beide waren Helden des trojanischen Krieges. Nach dem Tod des Patroklos kam die Rache des Achilles mit dem Ergebnis, dass die Griechen die Trojaner besiegten.

In der Odyssee findet sich das unzertrennliche Freundespaar Peirithoos und Theseus.
Theseus war einer der berühmtesten Helden der griechischen Mythologie. In der Ebene von Marathon (bekannt durch den Marathonlauf als olympische Disziplin) züchtete er Rinder.
Peirithoos war ein König der Lapithen (eine Volk in Thessalien). Als er von der Tapferkeit des Theseus hörte, wollte er ihn testen. Also ging er nach Marathon und stahl die Rinder des Theseus. Als der dies bemerkte, machte er sich auf die Jagd nach Peirithoos. Schließlich begegneten sich beide Männer und blieben, die Schönheit und die Tapferkeit des jeweils anderen bewundernd, stehen.
Peirithoos gab ihm die Hand und sagte: „Ich werde alles tun, um das Geschehene wieder gut zu machen.“
Theseus hat den Mut des Peirithoos bewundert und gesagt: „Ja, ich wünsche eine Freundschaft mit dir.“
Beide schworen ewige Freundschaft.

Unbedingtes Vertrauen

Die aus dem Freundschaftsmotiv des Damon und des Phintias inspirierende Ballade „Die Bürgschaft“ von Schiller ist ein Musterbeispiel für die Darstellung unbedingten Vertrauens in einer freundschaftlichen Beziehung.
Schauplatz war die Stadt Syrakus (Sizilien) im 4. Jahrhundert vor Christus. Tyrann von Syrakus war Dionysos. Er beschuldigte Phintias an einem Komplott gegen ihn beteiligt zu sein und verurteilte ihn umgehend zu Tode.
Phintias nahm das Urteil hin und erbat lediglich die Erlaubnis, seine persönlichen Angelegenheiten vor der Hinrichtung noch in Freiheit regeln zu dürfen.

Dionysos gab der Bitte unter der Bedingung statt, dass Phintias' Freund Damon mit seinem Leben für die Rückkehr des Phintias noch am selben Tag bis Sonnenuntergang bürgte.
Phintias kehrte kurz vor Sonnenuntergang zurück. Dies beeindruckte Dionysos dermaßen, dass er Phintias frei ließ und darum bat, in die Freundschaft der beiden aufgenommen zu werden.

Seele in zwei Körpern

Es gibt so viele Zitate zur Freundschaft, hier einige davon:

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern.“

„Wahre Freundschaft ist eine sehr langsam wachsende Pflanze.“

„Wer Freunde ohne Fehler sucht, bleibt ohne Freunde.“

„Der beste Weg einen Freund zu finden, ist der selbst einer zu sein.“

„Gute Freundschaft führt zu Eudämonie (Glückseligkeit).“

Von allen Geschenken, die uns das Schicksal gönnt, gibt es kein größeres als die Freundschaft - keinen größeren Reichtum, keine größere Freude.

 

Konstantin Gorlas

Philosoph

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