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Übung - Askese

Eine philosophische Reise durch die Welt der Übungen des ewigen Lernens und Trainierens

In der Antike bei Platon gelten die Übung (Askesis) und die Lehre (Mathesis) neben den natürlichen Voraussetzungen (Physis) als wesentliche Bestandteile des Lernens. Sokrates und Platon beziehen dabei Übung sowohl auf körperliche als auch geistige Praktiken gleichermaßen. Im antiken Griechenland gibt es eine Fülle von praktischen Übungen. Im gymnastischen, medizinischen, erotischen, familiären und philosophischen Bereich. In der klassischen und hellenistischen Zeit war Askesis zunächst das Fach technische und künstlerische Fertigung.

In erweiterter Bedeutung wird Askesis gleichbedeutend mit „sich ertüchtigen“ und damit auch für leibliche Ertüchtigung und gymnastische Übungen verwendet. Schließlich bezeichnet es ebenso die geistige Schulung und Zucht des Menschen deren Ziel Weisheit und Tugend ist.

Versenkung in der Religion

Im biblischen Sinne gehört Askese grundsätzlich zur christlichen Lehre und Überlieferung. Sie wird verstanden als religiöse Einübung ins christliche Leben, in das Streben nach Vollkommenheit. Dazu gehören die Übung der Liebe, Bemühungen um Tugend zur Buße und Enthaltsamkeit sowie kontemplative Versenkung in die Wahrheit.

Die praktischen Übungen sind mit den Praktiken des Wissens verzahnt und werden als Selbstsorge und Lebenskunst gepflegt. Dazu gehören auch Tugenden wie Mäßigung (Sophosine) und Selbstbeherrschung (Enkrateia).

Übung als Einübung von Fertigkeiten wurde als Grundbestandteil jeglichen Lernens angesehen und hatte in der Rhetorik und in den rhetorisch ausgerichteten Disziplinen der Philosophie einen thematisierten Ort.

Übung als Bestandteil der Selbstsorge

Darüber hinaus ist die Übung in der praktischen Philosophie seit der Antike ein wesentlicher Bestandteil der Selbstsorge. Gelten Tugend und Weisheit zunächst als Gabe der Götter und der Natur, so wird das Konzept adeliger Tüchtigkeit allmählich durch die Vorstellung der Tugend als einer erlernbaren Fähigkeit abgelöst.

Mit der von Sophisten (Sophisten waren reisende Gelehrte im antiken Griechenland) und Sokrates propagierten Überzeugung, man könne sich eine ethisch wertvolle Lebensform aneignen, wird die Übung zu einem wichtigen Faktor und bildet mit Begabung und Theorie eine später häufig belegte Trias. Da theoretische Kunstfertigkeit in die Praxis umgesetzt werden muss, ist neben Begabung auch Übung notwendig.

Reines Wissen (Episteme) und Kunstfertigkeit (Techne) ohne Übung gelten als sinn- und nutzlos, ebenso wie Übung ohne Wissen und Kunstfertigkeit.

Kritias und Demokrit (beide griechische Philosophen um 64 vor Christus) sehen den Wert der Übung darin, dass sie mehr Leute gut mache als die natürliche Anlage. Die Verbindung von körperlichen und geistigen Übungen wurde als eigentlich wirksam angesehen.

Philosophieren geht nur mit Üben

Sokrates, der am Schluss von Platons Symposium nach geistiger Übung ins Gymnasium geht, illustriert dieses Ideal. Der Philosoph wird mit einem Athleten verglichen. Geistige Übung wird als Training bezeichnet, medizinischer und philosophischer Diskurs konvergieren.

Auch in der hellenistischen Philosophie und in der Philosophie der Kaiserzeit bleiben praktische Übungen wichtiger Bestandteil der trotz unterschiedlicher Modelle doch generell als Lebenskunst und Selbstsorge verstandener Philosophie. Ziel der Übung ist die Verinnerlichung von fürsorglichen Erkenntnissen. Durch ein solches Einfärben soll philosophische Erkenntnis für ein gelingendes Leben wirksam werden. Hierzu wollen die philosophische Literatur aber auch die verschiedenen im Hellenismus (Hellenismus war die Zeit nach dem Tod Alexander des großen 336 vor Christus bis 300 vor Christus) und der griechisch römischen antiken favorisierten Gattungen beitragen.

Übungen spielen in der biblischen Terminologie (festgelegter Wortschatz) keine entscheidende Rolle, doch prägen sie als Einübung in das christliche Leben bereits das frühe Mönchtum. In diesem Sinn sind sie gleichbedeutend mit Askese.

Unter dem Einfluss profaner Vorstellungen die bei Paulus eingehen, werden Übungen differenziert in geistliche Übungen, sie sind die Philosophie, und körperliche Übungen, sie sind das Gymnasium. Im alten Griechenland war Gymnasium ein Ort der körperlichen und geistigen Ertüchtigung, wobei aber das körperliche im Vordergrund stand, und zwar mit komplett nacktem Körper turnen, daher der Herkunft des Wortes Gymnasium (nackt = gymnos, Gymnastik).

Die ethische Asketik

Verstand und Wissen allein, so sieht es auch Kant, genüge nicht. Damit es zum Können kommt, muss die Urteilskraft hinzutreten. Der Verstand kann durch Belehrungen mit vielen Begriffen bereichert und mit Regeln ausgestattet werden. Die Urteilskraft dagegen, die entscheiden soll ob etwas ein Fall der Regel sein oder nicht sein soll, kann nicht belehrt, sondern nur geübt werden.

Die Entwicklung der sich übenden Urteilskraft ist insofern Sache von Reife und eigener langer Erfahrung. Die Übung ist für Kant in moralischer Hinsicht vor allem mit Blick auf die Selbstsorge von Bedeutung im Zusammenhang mit der ethischen Asketik, die für die Kultur der Tugend konstitutiv ist. Kultur heißt Übung aller Kräfte auf den Zweck der völligen Freiheit, der völligen Unabhängigkeit von allem, was nicht unsere eines Selbst ist.

"Kultur heißt Übung aller Kräfte auf den Zweck der völligen Freiheit, der völligen Unabhängigkeit von allem, was nicht unser reines Selbst ist."

Zu einem gelingenden Leben (Eudaimonia) Tragen nach Aristoteles im Wesentlichen Übungen bei, weil nur eine wiederholte Handlung Tugend zum Habitus machen lässt. Denn wir lernen durch das Tun. So wird man durch Bauen ein Baumeister und durch Zitherspielen ein Zitherspieler. Ebenso werden wir durch gerechtes Handeln gerechter.

Kennzeichen der Übung ist die Wiederholung. Sie ist eine auf Stetigkeit und Dauerhaftigkeit angelegte Lernform. Oft ausgeführte Übungen sind der Schlüssel, um eine außergewöhnliche Fertigkeit oder sogar Meisterschaft zu erlangen. Die Übung ist in allem die beste Lehrerin der Sterblichen.

Hier einige Zitate über die Übung: 

  • Übung macht den Meister.
  • Klavier spielen - ohne Übung kann man kein Klavierspielen lernen.
  • Es werden mehr Menschen durch Übung tüchtig als durch Naturanlage.
  • Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Text: Konstantin Gorlas, Philosoph

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