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Von Vorurteilen und Vorstellungen



ES IST NICHT LEICHT ANDEREN WERTFREI ZU BEGEGNEN


„Freund oder Feind, nicht nur Mensch. So entstehen Kriege im Alltag und in der ganzen Welt.“


Wir Menschen haben kaum eine Vorstellung wie viele Vorurteile wir jeden Tag aktiv produzieren. Und wenn jemand behauptet er habe keine, dann ist dies eine irreale Vorstellung. Warum existieren diese Vorurteile in uns allen, was bewirken sie und wo liegt der Unterschied zwischen Vorurteilen, mit denen wir unseren Mitmenschen begegnen und bloßen Vorstellungen, die wir uns von anderen machen?

Vorurteile sind vor allem dazu da, um sie zu erkennen. Einen wirklichen Nutzen haben sie nicht. Im Gegenteil- sie hindern uns daran das, was wirklich da ist, zu erkennen. Wie das Wort sagt. Das Urteil kommt vor dem Geschehen. Sie haben ihren Ursprung meist in der Vergangenheit, genauer gesagt: sie wurzeln in Erfahrungen, Glaubensätzen und Informationen, die wir verinnerlicht haben. All dies projizieren wir dann auf das Erleben im unmittelbaren Geschehen der Gegenwart, ohne Prüfung auf die Richtigkeit des spontan gefällten Urteils.

Beispiel: Ein Hund, der uns gebissen hat, lässt leichter die Annahme entstehen, alle Hunde würden beißen. Also wird jeder Hund als Gefahr wahrgenommen.
Oder: Alle, die eine andere Religion haben als die, die wir für richtig erachten, sind auf dem falschen Weg. Hat unsere Religion einen Rechtsanspruch auf Richtigkeit? Somit wird die Person in diesem Punkt bewertet und mit der Religion identifiziert. Und das Überraschende ist, dass wir Menschen dazu neigen, diese Wertung auf viele andere Bereiche zu übertragen, denn unsere unterbewusste Programmierung kann nicht unterscheiden. Wenn wir eine Abneigung gegenüber einer anderen Person aufgrund einer gemachten Erfahrung spüren, so wird alles, was diese Person tut und spricht, mit dem Filter des Vorurteils wahrgenommen. Das Ganze läuft dann so ab, dass die Person in ihrer realen Erscheinung und ihrer Absicht nicht mehr wahrgenommen wird. Und diese Haltung tritt meist nicht in unser Bewusstsein. Und das geschieht jeden Tag im Positiven wie im Negativen.


Freund oder Feind, nicht nur Mensch. So entstehen Kriege im Alltag und in der ganzen Welt. Der Glaube, ein Vorurteil könnte uns schützen, ist ein Irrglaube. Noch weiter: Das Vorurteil hinterlässt ein beengendes Gefühl und die Welt der Erfahrungen wird automatisch kleiner. Die Lebensqualität nimmt ab, weil kaum eine Öffnung da ist, um Personen oder Situationen immer wieder von neuem unvoreingenommen begegnen zu können. Also könnten wir mal überprüfen, wo wir im Alltag diese Muster verwenden. Und dann könnten wir versuchen nicht gleich zu reagieren, sondern alles zunächst auf uns wirken zu lassen. Ohne ein sofortiges Bewerten. Mal sehen was passiert. Vielleicht entwickelt es sich entgegen unseren Vorstellungen.

Da sind wir nun bei diesen angelangt: Die Vorstellung gilt es zu unterscheiden zwischen einer Erwartung und einem Ziel. Beide liegen in der Zukunft: Eine Erwartung ist eher passiv und bedarf eines Wunsches und dessen Erfüllung. Haben wir zu große Vorstellungen ist die Möglichkeit einer Enttäuschung groß. Haben wir die Vorstellung, ein Mensch müsste anders sein, dann werden wir sehr wahrscheinlich enttäuscht werden, denn sie ist eine Bedingung, die wir haben wollen. Auf ihre Erfüllung haben wir so gut wie keinen Einfluss und auch keinen Anspruch. Dieser Wunsch hat den Ursprung eher in dem Vorurteil, dass der Mensch, so wie er ist, nicht gut genug ist. Und wie oft glauben wir dies auch von uns selbst….? Unser persönliches Vorurteil. Mal ehrlich…


Haben wir ein Ziel vor Augen, das uns dazu führt, tätig zu werden, dann hat die Vorstellung einen positiven Zweck erfüllt, denn unsere Kreativität wird geweckt. Der Weg soll angeblich das Ziel sein. Ein Vorurteil..? Vor allem sollte das Ziel realistisch und authentisch sein. Ein neuer Beruf, ein Herzenswunsch….
Wenn wir uns eine Vorstellung machen, was wir in unserem Leben und in unserer Haltung zum Positiven verändern können, dann wird dies ein positives Empfinden nach sich ziehen, vorausgesetzt wir verurteilen uns nicht, da dies alles seiner eigenen Zeit bedarf.
Vielleicht gelingt es uns jeden Tag mehr und mehr, einen Schritt zurückzutreten, uns der Zusammenhänge, um die es hier geht, nach und nach bewusst zu werden, und kleine Schritte zu den Veränderungen vorzunehmen. Setzen Sie sich Ziele, mit einer gesunden Einschätzung der Erfüllbarkeit. Damit tun wir uns selbst und unseren Mitmenschen viel Gutes!

Gerhard Schmid


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